Arizona,  Trekking

Wie ein Berg, nur anders rum – Trekking im Grand Canyon

Der Grand Canyon gilt nicht zu Unrecht als eines der großen Weltwunder. Ich wollte dieses Wunder nicht nur von oben bestaunen (wobei das schon spektakulär genug ist), sondern die Jahrmillionen alten Gesteinsschichten auch von unten betrachten, wollte den Colorado River überqueren und zwei Nächte im Canyon verbringen.

Mein Traum war eine Rim-to-Rim-Wanderung von Süd nach Nord, doch leider habe ich kein Permit für den Cottonwood Campground bekommen – und die Etappe River to North Rim habe ich mir an einem Stück nicht zugetraut. Mein erstes Permit bekam ich für den Indian Garden Campground und mein zweites für den Bright Angel Campground. Also bin ich am South Kaibab Trailhead gestartet, über den Tonto Trail zum Fluss und über den Bright Angel Trail wieder zurück gelaufen. Dadurch bin ich fast alle Trails des südlichen Main Corridors abgelaufen.

1. Tag, 19.05.2018

South Kaibab Trailhead – Tonto Trail – Indian Garden Campground

Unterwegs:
9:30 am – 4 pm
15 km, 200m hoch, 1200m runter

Der Wecker klingelt um 4:30 am. Uähh! Ich fahre zum Mather Point für ein paar Sunrise Fotos und sehe nochmal ein paar süße Rehe. Bis ich mit meinem Freund telefoniere, alles packe, herrichte und mit dem Bus zum Trailhead fahre ist es bereits halb 10.

Grand Canyon Sunrise
Sonnenaufgang am Mather Point

Im Bus treffe ich Lu, eine 71 jährige Chilenin die seit 50 Jahren in den USA lebt. Sie ist sehr nett und superfit, da sie die ganze Zeit wandert. Total beeindruckend. Sie schwört auf Merinowolle und Rucksäcke mit gutem Tragesystem und redet ganz gern über Ausrüstung. Wir quatschen den ganzen Weg zusammen und ich bin froh, sie getroffen zu haben. Es ist das erste Mal dass ich die unkomplizierte Art der Amis erlebe, um Weggefährten zu rekrutieren: Ich sitze neben ihr im Bus, sie zeigt auf meinen Rucksack und fragt „are you staying overnight?“ – und schon hat man seinen Wanderpartner.

Lu und ich am South Kaibab Trailhead
Mein Rucksack
South Kaibab Trail
Wer Einsamkeit sucht ist hier fehl am Platz…

Der South Kaibab Trail ist sehr gut ausgebaut und besucht und führt in engen Serpentinen bergab. Wir laufen die ganze Zeit in der Sonne, Trinkwasserstellen gibt es keine. Immer wieder öffnen sich tolle neue Blicke in den Canyon zu allen Seiten. Der Trail ist sehr gut ausgebaut und recht breit, allerdings vor allem am Anfang recht steil. Ein paar Jungs in Sneakern vor uns rutschen immer wieder auf dem sandigen Boden aus und landen auf dem Hosenboden.

Ooh Aah Point
Die Aussicht vom Ooh-Aah-Point 🙂
Grand Canyon
Die Canyonkante wandert weiter nach oben, in der Ferne kann man den Trail zum Plateau Point erkennen – dort will ich morgen früh langwandern
South Kaibab Trail View
Blick auf das Tonto Plateau und den Colorado River
Lu and me
Am Sceleton Point – Lu ist echt eine Posing-Queen 🙂
Groundsquirrel in Grand Canyon
Groundsquirrel in Grand Canyon
Süße Groundsquirrels am Sceleton Point, die leider immer wieder gefüttert werden

Da wir uns so gut unterhalten kommen wir nicht so schnell vorwärts und es ist bereits Nachmittags, als wir am Tipoff ankommen, der Punkt, an dem der Tonto Trail den South Kaibab Trail kreuzt. Wir tauschen Mailadressen aus und verabschieden uns, da Lu heute im Bright Angel Campground schläft. Der Tonto Trail verläuft als kleiner Trampelpfad auf dem Tonto Plateau entlang, ist zum wandern viel schöner als der ausgebaute South Kaibab Trail und punktet mit tollen Ausblicken. Ich treffe insgesamt nur zwei andere Paare auf dem Abschnitt. Allerdings ist es hier noch viel heißer und die Hitze macht mir langsam echt zu schaffen. Als eine Wolke etwas Schatten spendet, nutze ich das gleich für eine kurze Rast.

Tonto Trail
Wandern in den Wüstenbergen
Tonto Trail
Water in the Desert
Das Wasser schafft beeindruckende Zuläufe bzw Nebencanyons
Blooming Cactus
Ich wusste nicht, dass Kaktusblüten so schön sind
Lonely Tree
Ein Flecken Grün in einer rotbraunen Welt

Ca. bei der Hälfte zwischen Tipoff und Indian Garden umläuft man einen langen Riss mit einigen Zuläufen, in denen Schatten spendende Bäume wachsen. Ich stelle mich kurz in das Rinnsal und kühle meine Füße. Einerseits ziemlich gut aber auch etwas blöd: Bald danach fangen meine Fersen an zu schmerzen und zu scheuern und am nächsten Tag hab ich richtig fiese Blasen.

Tonto Trail
Once in seven years
Diese Kakteenart blüht anscheinend nur alle paar Jahre und stirbt dann. Ein spektakulärer Abgang!

Ich schleppe mich mittlerweile nur noch voran. Es wird immer heißer und im Schatten eines riesigen Steins halte ich nochmal kurz an. Ich habe die Hitze deutlich unterschätzt, gestern auf dem Hermit Trail hatte ich das Gefühl, dass es bergab überhaupt kein Problem ist.

Dann, nach einer „Kurve“, kommt die Oase Indian Garden in Sicht: unglaublich! So viel Grün! Überall riesige Bäume, es ist wunderschön. Ich hatte hier nicht mit so einem großen grünen Fleck gerechnet. Allerdings muss ich noch ca. 1 Meile laufen, bis ich um ca. 16 Uhr endlich wirklich da bin.

Indian Garden
Tonto
Entrance to Indian Garden
Das „Eingangstor“ zu Indian Garden 

An der Wasserstelle ist irre viel los und so biege ich vom Hauptweg ab, raste weg von den Massen kurz an einer Bank und bade meine Füße im Fluss. Tut das gut!

„Meine“ kleine Oase in Indian Garden

Nach der kurzen Erholung stolpere ich direkt in einen Ranger Talk über die Wüste & die Tiere, den ich recht interessant finde. Die Rangerin erzählt, dass junge Männer mit Abstand am öftesten von Klapperschlangen gebissen werden – weil sie versuchen, die Tiere aufzuheben.

Um 5 pm suche ich mir einen Zeltplatz und verbringe die restliche Zeit des Tages mit kochen, dem „Lagerleben“ und unterhalte mich mit meinen netten kanadischen Nachbarn. Die Zeltplätze sind recht schön gelegen, alle haben ausreichend Schatten, ein Dach und einen Picknicktisch mit Bänken sowie eine sichere Metallbox fürs Essen. Wir werden mehrfach vor den Groundsquirrels (Erdhörnchen) gewarnt, die anscheinend gelernt haben, dass Futter in Plastik verpackt ist und mittlerweile auch auf Plastik abfahren. Es wurden schon so manche Zelte durchbissen, weil die Hörnchen an Essen oder Plastik im Zelt wollten.

Den Sonnenuntergang genieße ich von der Anhöhe über dem Klohäuschen aus, weil man hier einen wirklich tollen Ausblick hat.

Sunset in the Grand Canyon
Das Klohäuschen bietet den besten Ausblick in den Canyon 🙂

Leider sind meine Oberschenkel wieder von einer (wie ich glaube) Sonnenallergie geplagt. Ich nehme also eine Allergietablette und hoffe dass es morgen besser ist, aber beim Schlafen schmerzt es immer ziemlich, wenn meine Beine mit der Luftmatratze in Kontakt kommen (also quasi dauernd…). Da auch meine Augen von der Hitze und dem Sand etwas entzündet sind, hoffe ich dass die Tabletten auch da helfen. Einmal wache ich Nachts auf, weil etwas in meinem Vorzelt an irgendwas knabbert, aber als ich laut raschel und meine Stirnlampe raushole, hat sich die Maus schon wieder verkrochen.

Es ist auch Nachts noch sehr warm. Während es oben auf der Rim Nachts etwas über 0° hatte, nutze ich hier unten meinen Schlafsack nur als Decke und werde trotzdem knusprig braun gebacken.

Indian Garden Campground

2. Tag, 20.05.2018

Indian Garden – Plateau Point – Bright Angel Campground

Unterwegs:
5 am – 11 am
14 km, 560 m hoch, 920 m runter

Der Wecker klingelt um 4 am. Wäh!

Die Kanadier sind auch schon wach und so packen wir quasi zusammen unser Zeug ein. Um 5:15 am laufe ich los Richtung Overlook Point und komme kurz nach Sonnenaufgang dort an. Einige Minuten nach mir treffen zwei Rim-to-Rim Jogger aus Kalifornien ein. Ich habe schon davon gehört, dass es für einige Läufer eine beliebte Herausforderung ist, den Grand Canyon joggend an einem Tag zu durchqueren. 38 km, 2900 hm hoch und 2500 hm runter, dazu die Hitze – es wäre eine Untertreibung zu behaupten, ich wäre von der Leistung beeindruckt. Die beiden wirken noch recht fit und erzählen mir, dass der High Sierra Trail der schönste Trail ist, den sie je gegangen sind.

Sunrise in the Desert
Sonnenaufgang in der Wüste
Sunrise in the Canyon
Alpenglühen – man fühlt sich wie im Gebirge, nur dass irgendwie alles falsch rum ist…
Sunrise in the Canyon
Plateau Point Sunrise
Am Plateau Point
First Sunlight
Die Trailrunner drücken netterweise für mich auf den Auslöser, nachdem ich für den Selbstauslöser einfach zu langsam bin…

Ich esse einen Riegel, eine Tafel Schokolade (gestern war sie noch flüssig, über Nacht ist sie zum Glück wieder fest geworden) und den Rest des gestrigen Abendessens, dann laufe ich zurück. Der Trail ist nicht so spannend und meine Füße sind von gestern ziemlich angeschlagen.

Plateau Point

Kurz vor Indian Garden geht es dann endlich auf den Bright Angel Trail runter Richtung Colorado. Es ist ziemlich schön und recht grün, am Fluss entlang und meist im Baumschatten. Mir kommen einige Leute mit Daypacks entgegen, was für harte Säue. Ich würde das nicht schaffen. Die sehen teilweise auch gar nicht soo fit aus… (Später erst erfahre ich, dass die alle in der Phantom Ranch ein Zimmer hatten, da braucht man dann natürlich kaum Gepäck.)

Trailrunning
Eine Trailrunnerin kommt mir auf dem Bright Angel Trail entgegen

Der Bright Angel Trail täuscht ein bisschen über die Wüstenlandschaft des Grand Canyons hinweg, da man zumeist dem Fluß folgt, es sehr grün ist und man meist von steilen Steinwänden umgeben ist. Auf dem Tonto Trail hat man am meisten von der Vegetation des Grand Canyons mitbekommen, weil man da „mittendrin“ war.

Der Trail führt bald an roten Steilwänden in den Canyon runter, sehr beeindruckend. Ich treffe ein deutsches Paar (wir sind beide kurz dem falschen Trail gefolgt), die den Bright Angel Trail als Tagestour gehen und 7 Wochen in den USA sind. Da sie aber schneller sind und noch viel vorhaben, gehen wir bald getrennt. Der Trail bleibt so schön, bis ich am wunderbar grünen Colorado River ankomme. Dort treffe ich einen netten Österreicher (63 Jahre), der das ebenfalls als Tagestour geht. Wir laufen bis  zur Brücke zusammen und unterhalten uns gut. „Wieso reisen wir eigentlich zu Orten, wo schon tausende andere waren und die man schon hundert Mal auf Bildern gesehen hat?“ zitiert er Mark Twain. „Man reist, um die Vorstellung mit der Wirklichkeit zu vergleichen“. Das finde ich irgendwie schön.

Finally, the River
Endlich am Fluss angekommen
Bright Angel Suspension Bridge

An der Brücke trennen wir uns, er will noch zur Phantom Ranch gehen und ich will eine Schlaufe über den River Trail machen. Ich vermute ein bisschen, dass er doch dort nächtigen will, weil er mir erzählt hat dass er zum einen auf der Warteliste dort steht und zum andern sein Knie schon zwickt… Außerdem ist es jetzt schon 11 Uhr, ich finde das reichlich spät, um jetzt erst mit dem Aufstieg zu beginnen.

Ich mache eine kurze Pause, treffe die zwei Deutschen auf ihrem Rückweg wieder und laufe dann den wunderschönen River Trail entlang. Er schwingt sich weit über den Colorado nach oben. Mittlerweile tun mir die Füße stark weh und ich bin ziemlich langsam, es wird immer wärmer. Ich habe in einem verrückten Anfall unsinniger Gewichtsersparnis nur ein Paar ungetesteter Wandersocken eingepackt, die unheimlich scheuern und immer größere (Blut)Blasen verursachen.

Bright Angel Suspension Bridge
Kaibab Suspensio Bridge
Die Kaibab Suspension Bridge

Um 11 Uhr komme ich am Campingplatz an (lange nicht so schön wie Indian Garden, meiner Meinung nach), lade mein Zeug ab, wasche mich am Fluß (er war mir ein bisschen zu kalt zum reinhocken), verarzte meine Blasen und setze mich dann in die Phantom Ranch, da man auf dem Campground in der prallen Sonne verglüht. Dort kaufe ich Limo, Oreos und Moleskin. Meine Füße tun furchtbar weh. Ich bin ein bisschen planlos was ich mit dem restlichen Tag anfangen soll, draußen ist es viel zu heiß und hier drinnen gibt es nicht so viel zu tun. Zum Gegend erkunden fühle ich mich irgendwie zu elend. Ich hätte nicht gedacht, dass die Hitze so an meiner Verfassung nagt…

Bright Angel Campground
Rehe beim Campground 🙂

Da es an der Phantom Ranch immer voller wird und mein Bauch auch schon voll mit Limo ist, gehe ich, obwohl ich nicht so recht weiß wohin mit mir. Das Gefühl verfliegt allerdings sofort, als ich auf dem Campingplatz bin. Der liegt jetzt größtenteils im Schatten und im und am Fluss sitzen einige Leute, es herrscht eine tolle Stimmung. Es ist jetzt 3 pm, ich baue mein Zelt auf, grusche rum, sitze am Fluss, plaudere mit der netten Nachbarin und fühle mich dann so gut, dass ich zu einer Fototour am Boat Beach aufbreche.

Crazy Lizard
Colorado River
Kaibab Suspension Bridge
Bright Angel Campground
Direkt am Bright Angel Campground
Dinnertime
Selfies sind perfekt zur Langeweile-Bekämpfung 😉

Als ich um halb 9 ins Bett gehe, ist das Zelt voller Sand, da es den ganzen Tag sehr windig war. Die Allergietablette von gestern wirkt zum Glück, meinen Beinen geht es schon viel besser. Auch meine Augen brennen kaum noch.

Bright Angel Campground

3. Tag, 21.05.2018

Bright Angel Campground – Bright Angel Trailhead

Unterwegs:
5:20 am – 1 pm (40 min Pause)
15,5 km, 1900 m hoch, 600m runter

Bright Angel Trail

Der Wecker klingelt um 3:30 am. Uäääääh! Ich stehe trotzdem erst um 4:15 am auf und laufe um 5:20 am los. Die erste Aktion am Morgen war, eine Schmerztablette zu nehmen, und so schmerzen meine Füße heute nicht so sehr.

Ich bin trotzdem furchtbar langsam und alle Leute überholen mich. Aber lustig: später ziehe ich dann an vielen wieder vorbei, weil sie schon früh eine Pause einlegen müssen. Ich bin langsam, aber stetig 🙂 .

Bright Angel Suspension Bridge
Heute geht es über die Bright Angel Suspension Bridge
Schwindelfrei
Glasklares Colorado-Wasser

Geradeaus am Fluss kann ich mit dem rechten Fuß nur ganz vorsichtig mittig auftreten, wodurch mein Fuß eher platscht als tritt. Und die Blasen tun trotz Tablette schon noch ziemlich weh. Doch bergauf wird es immer besser und irgendwann kann ich fast normal laufen. Es ist recht viel los, ein paar Leute kommen entgegen und von Bright Angel/Phantom Ranch aus ist eine richtige Karawane unterwegs. Man trifft immer wieder die selben Leute, das ist ganz nett, und die Amis sind wirklich durchwegs freundlich und nett.

Colorado River
Colorado River
Switchbacks
Die Switchbacks sehen von oben immer recht cool aus
Life in the Desert
Signs
Gleich da!

Außer kurzer Fotostopps mache ich keine Pausen und so bin ich um 20 nach 8 (also genau nach 3 Stunden) in Indian Garden, wo ich sofort zu meiner stillen Oase gehe, weg von dem Trubel. Dort gibt es erst mal Müsli. Um 10 nach 9 laufe ich weiter. Eigentlich wollte ich hier bis um 4 pm Mittagspause machen, um der Hitze zu entgehen. Die Wände des Bright Angel Trails wirken im oberen Bereich wie ein Backofen, sodass dringend davon abgeraten wird, den Teil des Trails am heißesten Teil des Tages am Nachmittag zu machen. Aber heute ist es bewölkt und nicht sonderlich heiß, regelrecht angenehm, fast kühl. Also wage ich den Anstieg schon jetzt.

Lunch
Desert Flower
Kaktusblüte
Desert Rose (aka Kaktus)
Indian Garden
Beim Verlassen von Indian Garden sind die Steilwänder der South Rim schon ganz nah
Curious Baby Mouse
Eine neugierige Babymaus 🙂
South Rim, Bright Angel Trail
Wo soll es da bitte raufgehen?

Es zieht sich in unendlichen Kehren nach oben in den Seitencanyon und es werden immer mehr Menschen. Die Aussicht ist schön, bleibt aber über den ganzen Anstieg an gleich.

Mit 0,5 l Wasser bin ich bei Indian Garden gestartet und mache beim 3 Mile Resthouse den Fehler, meine Wasserflasche nicht aufzufüllen („sind ja nur 1,5 Miles zum nächsten“), was ich bald bereue. Es wird bis zum nächsten Resthouse sehr anstrengend. Dort angekommen trinke ich erstmal einen ganzen Liter und nehme nochmal 0,5l mit. Die restliche Strecke zur Rim zieht sich ungemein, die vielen Leute nerven und meine Füße schmerzen immer mehr – allerdings nicht die Blasen, an die habe ich mich mittlerweile gewöhnt.

Bright Angel Trail
Rechts oben thront das 3-Mile-Resthouse

Kurz vor Schluss plaudere ich mit einem Ami (nach dem Krieg 1950 in Deutschland geboren), wir haben uns seit Indian Garden immer wieder gegenseitig überholt und einmal meinte er schmunzelnd: „We seem to have the same hiking pace“. Er erzählt dass er für fünf Tage in Phantom Creek unterwegs war, einem einsamen Seitencanyon mit vielen Schlangen. Er hat lustige buschige Augenbrauen, einen weißen Bart und war schon oft im Grand Canyon wandern, immer auf einsamen Pfaden. 

Um kurz vor 1 pm stehe ich endlich oben auf der Rim! Der Bus bringt mich zum Backcountry Center und ich humpel zum Auto, ich kann echt kaum noch laufen. Ich wechsel meine Schuhe (auauauauauau) und überlege, mir doch Flipflops oder ähnliches zu kaufen. Meine Füße & die Blasen tun so weh und die Turschuhe machen es nicht besser… Ich falle über die Oreos, das restliche Brot und die Peanut-Schoko-Creme im Auto her und fahre dann zum Campingplatz, duschen, einchecken, waschen usw. Den restlichen Tag verbringe ich mit Akkus aufladen (die elektronischen und meine eigenen), kochen und alltäglichen Dingen.

Abends raffe ich mich nochmal auf und fahre zum Grandview Point. Ich komme gerade noch rechtzeitig, 15 min vor Sonnenuntergang. Inspiriert von einem Ami-Fotografen und einem Deutschen klettere ich auf einen kleinen, ca 2,5 – 3 m hohen Vorsprung. Gar nicht so einfach und oben zittern mir ganz schön die Knie (ich habe Höhenangst). Ein paar junge Asiaten wollen auch hochklettern, schaffen es aber nicht 😉 .

Glücklich und mit furchtbar schmerzenden Füßen fahre ich im dunkeln zurück zum Zelt, den Wecker stelle ich auf 8 am. Endlich mal ausschlafen.

Grand Canyon Campground
Blue Hour at Grand Canyon
Sunset at Grand Canyon
Gerade als ich gehen will, färbt der Himmel sich plötzlich blutrot 🙂
Sunset at Grand Canyon
Kalt wars…
A nice Boulder at Grand Canyon
Hier gings hoch

Fazit

Mir hat die Tour durch den Grand Canyon super gut gefallen. Es war meine erste mehrtägige Tour alleine und meine erste Wüstenwanderung, und dafür bietet der Main Corridor die perfekte Umgebung. Die Wege sind leicht, es sind viele andere Menschen unterwegs und man hat in häufigen Abständen Campgrounds mit Rangern, außerdem sind auch so immer wieder mal Ranger auf den Wegen unterwegs. Und die Natur ist einfach großartig, der Canyon hat es geschafft, mich total in seinen Bann zu ziehen. Diese Weite, Tiefe, die Farben und die Gegensätze von trockener Wüste und fruchtbaren Oasen haben mich echt begeistert.

Ich habe ein bisschen die Hitze und ihre Auswirkungen unterschätzt. Ich dachte, ich komme gut damit zurecht, weil ich es eigentlich sehr gerne warm mag und sehr schnell friere (eigentlich ist mir immer kalt). Aber ich hab bei der Wanderung gemerkt, dass ich je heißer es wird immer langsamer werde und auch meine Füße dadurch schnell zu schmerzen anfangen. Das und die Blasen durch die blöden Socken waren ein kleiner Dämpfer der Tour, sind aber sozusagen selbst verschuldet 😉 .

Das nächste Mal würde ich jedoch keine Tour im Main Corridor machen, sondern mir eine Route über den Tonto Trail zusammenstellen. Der ist einfach schöner zu laufen und man trifft nur wenige andere Menschen unterwegs.

Wart ihr auch schon mal am Grand Canyon und seit dort gewandert? Wie hat es euch gefallen?

Grand Canyon Mules

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