Arizona,  Roadtrip

Der Beginn einer Reise – Zum Grand Canyon

Wo soll ich anfangen?

Meine erste Reise alleine. 9 Wochen unbekanntes Terrain, unbekannte Leute, unbekannte Landschaft, ganz für mich allein. Ich war etwas aufgeregt und sehr Vorfreudig, wusste nicht recht was mich erwartet und ob alles so klappt wie ich mir das vorgestellt hab. Am besten fange ich einfach direkt an, schön der Reihe nach.

Usa from above
Stundenlang fliegt man über rotbraune zerfurchte Landschaft

Anreise, 15. – 17 Mai 2018

Nachdem ich mich beim Mietwagen abholen gleich drei mal hintereinander blamiert und erst nach einigen Extraschlaufen aus Las Vegas rausgefunden hatte, ging es endlich gradeaus Richtung Kingman, einer Stadt auf dem Weg zum Grand Canyon. Ich war von der langen Reise ziemlich übernächtigt, aber auch sehr aufgeregt und dadurch aufgeputscht. Endlich ging es los!

Die Strecke am Hoover Dam vorbei ist wunderschön, bizarre Berge bzw Steintürme ragen aus der Landschaft. Es führen zahlreiche Stromnetze hindurch, teilweise stehen die Masten oben auf den Türmen. Total schön und abgefahren. Die Landschaft ändert sich langsam, wird hügelig. Die einzige Vegetation sind Wüstenbüsche.

Erstes Abenteuer: Unterkunft finden

Roadsign

Der Highway ist eine Mischung aus Autobahn und Landstraße. Die Straßenbeschilderung ist lange nicht so gut wie bei uns, auf der rechten Spur sind außerdem haufenweise Schlaglöcher, so dass ich meist links fahre. Meine Unterkunft zu finden ist nochmal ein kleines Abenteuer für sich: ich habe bei Airbnb in einem Haus mit zugehöriger Ponyranch gebucht, auf Google Maps sah das ganze nach einem Wohngebiet aus. Ich habe mir die Adresse davor bei Maps gespeichert, da ich unterwegs kein Internet habe. Kurz vor dem Ziel endet plötzlich der Asphalt, ich kann gerade noch abbremsen bevor ich auf die Sandpiste bretter. Wo bin ich hier gelandet? Die Häuser sind nur noch in großem Abstand zu einander, haben weitläufige Zäune drum herum. Beim langsamen vorbeifahren werde ich von Hunden hinter den Zäunen angebellt.

„Sie haben Ihr Ziel erreicht“ meldet Maps, ich hebe das Handy vom Beifahrersitz und komme dabei auf die Zurücktaste – Adresse weg, Hausnummer weg, Shit! Ich stehe irgendwo auf dieser Piste zwischen den Häusern, Hausnummern kann ich nirgendwo entdecken, ich habe irgendwie Angst vor den Hunden. Mittlerweile ist es fast dunkel geworden. Ich hole mein Handy raus, lege meine amerikanische Sim-Karte ein: „Sie sind nicht im Netz registriert“. Langsam werde ich nervös. Ich bin erleichtert als ein Auto hier entlangfährt, doch sie wissen leider auch nichts von einer Airbnb Unterkunft und schicken mich in den „North“ Teil der Straße (ich war scheinbar in „South“). Ich fahre noch ein wenig auf und ab, probiere dann noch ein wenig mit meinem Handy rum und schaffe es schließlich, meinen Host Debbie anzurufen. Mittlerweile ist es ganz dunkel. Sie sagt mir wo ich langfahren muss und wartet dann vor der Tür auf mich, ich komme etwas fertig mit den Nerven bei ihr an und gehe gleich ins Bett. Unglaublich, hier ist echt der Arsch der Welt.

Den nächsten Tag verbringe ich noch dort, kaufe die restlichen Sachen fürs Trekking, schicke ein Resupply Paket in die Sierra Nevada für meine vierwöchige PCT Wanderung und erhole mich vom Jet Lag. Die Landschaft im Golden Valley bei Kingman ist völlig anders als alles, was ich bisher gesehen habe. Ein riesiges Wüstental, bestehend aus Sand, trockenen Büschen und flirrender Hitze. Die tierischen Mitbewohner meiner Airbnb Unterkunft sind ziemlich niedlich und nachdem ich mich mit Debbie raus zu den Hunden traue, merke ich dass sie die verschmustesten Tiere sind denen ich je begegnet bin.

Happy Dog
Der liebste Hund

Ganz anders der „evil Parrot“, der mit dem Schnabel gerne hackt und mich einmal am Boden durch die Wohnung verfolgt. Ich wollte aber eh grad zum einkaufen, also hab ich schnell die Flucht ergriffen und bin raus aus dem Haus 😉 .

The evil parrot
Der böse Papagei
I suppose it's tasty
Hello Sunshine
Ein flauschiges Alpaka, das sich nicht streicheln lassen wollte

Der Grand Canyon

Die Fahrt zum Grand Canyon zieht sich dann etwas, aber immerhin habe ich mittlerweile rausgefunden wie das autointerne Navi funktioniert 🙂 . Flache Wüstenlandschaft wechselt sich ab mit interessanten Bergen, ich komme durch ein, zwei amerikanische Kleinstädte (wie im Film!) und kurz vorm Grand Canyon führt die Straße dann durch Pinienwälder (ich glaube  zumindest, dass es Pinien waren). Mir macht das Fahren wirklich großen Spaß.

Der Campground im Grand Canyon Village ist sehr schön, jeder Platz hat viel Schatten und außerdem einen Picknicktisch mit Bänken. Beim einchecken werde ich vor den gefräßigen Raben gewarnt, also lasse ich mein ganzes Essen im Auto. Es dauert ewig mein Zelt aufzubauen und am Ende steht es mehr schlecht als recht. Das kann ja was werden. Mittlerweile ist es schon recht spät und ich habe fast Angst, den Sonnenuntergang zu verpassen, also nichts wie los zur Rim. Als ich an der Bushaltestelle ankomme, sehe ich den Canyon zum ersten Mal im Abendlicht. Einfach nur WOW!! Er ist noch viel beeindruckender als auf den Fotos.

Sunset at Grand Canyon
Der erste Blick auf den Canyon…. Einfach nur WOW

Ich fahre zum Hopi Point und fotografiere bis nach Sonnenuntergang. Die Aussichtsplattform ist völlig überfüllt, aber sobald man etwas davon weg geht wird es gleich ruhiger und man findet sogar einsame Plätzchen.

Colorado River

Meine erste Nacht allein im Zelt ist relativ unspektakulär, ich muss um Mitternacht kurz raus auf die Toilette (etwas nervig sich aus dem kleinen Ding zu schälen) und träume ein paar seltsame Sachen, aber ansonsten ist alles gut.

Grand Canyon Village Campground
Lauschiges Plätzchen auf dem Campground

4. Tag – Freitag, 18.05.2018

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 4:15 Uhr. Wäh! Ich schaffe es rechtzeitig für den Sonnenaufgang am „Grandview Point“ zu sein. Die beste Sicht liegt meiner Meinung nach Richtung Osten, also probiere ich eine Mehrfachbelichtung mit Sonnenstern. Leider ist mein Dreckfilter ziemlich dreckig und ich habe nichts zum putzen dabei…

Sunrise at Grand Canyon
Der Blick Richtung Westen

Am Rückweg fahre ich noch einige weitere Aussichtpunkte bis zum Mather Point an, dann gehe ich zum Supermarkt & Café um ins Wlan zu gehen. Mittlerweile ist es 8 Uhr und ich mache mich auf Richtung Hermits Rest.

After Sunrise at Grand Canyon
„Duck on a Rock“ – Ich erkenne die Ente allerdings nicht wirklich.

Sunrise at Grand Canyon

Sunset at Grand Canyon
Zwei große Vögel beim Mather Point

Hermit Trail Tageswanderung

Ich hatte einiges gutes vom Hermit Trail gelesen und so wollte ich natürlich meinen „freien Tag“ nutzen, eine kleine Wanderung zu machen.
Der Trail ist schön und bergab gehts wirklich einfach, mir kommen eingie Leute entgegen. Ich hatte mir den Trail nach den Beschreibungen im Internet viel schwieriger vorgestellt, aber er ist exzellent ausgeschildert und einfach zu laufen. Der Weg führt nicht direkt in den Hauptcanyon hinab, sondern an einem „kleinen“ Nebencanyon entlang. Ca 450 Höhenmeter folge ich dem Trail nach unten, dann drehe ich um. Bergauf in der Hitze ist es echt anstrengend, ich mache einige Pausen. Insgesamt brauche ich für die 5 km und 400 hm hoch & runter 3 Stunden (11 – 14 Uhr, habe also auch mit die heißeste Zeit des Tages erwischt).

Der Hermit Trail ist zumeist ein schöner kleiner Pfad
Eine große Eidechse auf dem Hermit Trail

Ich werde langsam besser mit dem Kommunizieren. Höre ich anfangs noch Musik, geht mir irgendwann auf, dass ich mir dadurch alle Gesprächsmöglichkeiten mit anderen Wanderern versperre. Kaum lasse ich sie weg komme ich auch schon mit Joe (Name geändert da nicht gemerkt) ins Gespräch, dessen Eltern auch aus Deutschland kommen. Er hat sogar an nur 3 von mir gesagten Wörtern meinen deutschen Akzent erkannt… Zum Abschied sagt er „It’s a beautiful Day“ und ich antworte etwas verdutzt angesichts dieser Abschiedsformel mit „yah, that’s true“. Nach kurzem Nachdenken wird mir klar, dass er wahrscheinlich „Have a beautiful Day“ gesagt hat und meine Antwort wohl ziemlich seltsam fand 😀 .

America the Beautiful

In Amerika ist alles groß. Große Autos, große Parkplätze, große Straßen. Die parking Areas sind nicht nur deswegen so groß, weil da viele Autos hinpassen müssen, sondern weil die Parzellen sehr großzügig sind und die Gänge dazwischen ca. 3x so breit wie bei uns. Man muss nie rangieren. Sogar die im Village lebenden Rehe sind viel größer als bei uns.

Hello Sweety

Abspülen, kochen, packen und Handyakku laden dauert lange und so verpasse ich fast den Sonnenuntergang. Kurz schaue ich beim Maricopa Point vorbei, dann besuche ich noch die Abyss. Dort bin ich ganz alleine und es ist total schön. Außerdem hat der Aussichtspunkt mit Abstand die beste Ansage: „Next Stop – THE Abyss“.

The Abyss! Mein Lieblings-Aussichtspunkt.
Sunset at Grand Canyon
Sunset at Grand Canyon
Sunset at Grand Canyon

Zufrieden fahre ich zurück zum Zelt. Morgen beginnt meine dreitägige Trekkingtour zum Colorado und Bright Angel Campground und zurück.

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