Island,  Roadtrip

Roadtrip Island: Auf der südlichen Ringstraße

Yay! Ein Roadtrip! Und auch noch im Traumland Island! Kann es was besseres geben?

So ungefähr waren meine Gedanken vor unserer kleinen Autoreise durch den Südteil der Insel. Leider muss ich sagen, dass der Teil unserer Reise uns lange nicht so gut gefallen hat wie unsere Trekkingtour durchs Hochland. Einerseits lag das sicher am Wetter (es hat 3 Tage lang durchgeregnet), andererseits auch an den Menschenmassen und an unserem Programm: Möglichts viele Highlights abhaken ist einfach nicht so unser Ding.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Wanderung durchs Hochland mit das Beste war, was ich je gemacht habe, also konnte der Roadtrip sozusagen gar nicht richtig mithalten… Island ist natürlich ein wunderschönes Land! Aber insgesamt ist es schon so, dass von diesem Reiseteil mehr schöne Fotos als schöne Erinnerungen zurückkamen.

Unser Programm:
1. Golden Circle (Þingvellir, Geysir, Gullfoss)
2. Gjáin und Haífoss
3. Seljalandsfoss und Skogafoss
4. Jökulsárlón
5. Pferderitt, Reykjavik

Jetzt aber im Detail:

Tag 0, oder: Tag 12 – Golden Circle. Þingvellir, Geysir, Gullfoss.

Mit fettem Sonnenbrand am Geysir

Wir kommen erst spät los, da wir unser Auto mit 2h Verspätung bekommen und das ganze Packen und Einkaufen irgendwie recht lange dauert. Aber endlich gibts wieder geiles frisches Essen! (Also, Gemüse und Obst und so. Ansonsten halten wir uns auch weiterhin an Müsli und Fertigfraß, Essen gehen wäre viel zu teuer und wir haben keine Unterkunft mit Frühstück – Unser Zelt ist unser Zuhause! 🙂 )

Unsere erste Station ist Þingvellir (Thingvellir): sehr touristisch und ganz anderes als vorgestellt. Allerdings ist der See ganz hübsch für die Mittagspause und so machen wir es uns erst mal mit Brotzeit gemütlich. Die Spalte an sich ist gut ausgebaut, gut besucht und nicht sonderlich spannend. Ich mache ein paar Fotos von dem anscheinend berühmten Ausblick (sonst gibt es hier auch nicht so viel… 😉 ) und dann machen wir uns auf den Rückweg zum Auto.

Geologisch ist dieser Ort sicherlich sehr spannend, aber die interessanten Sachen hatten wir davor schon im Reisebericht gelesen. Zu gemütlichen Spaziergängen oder dergleichen lockt es uns im Augenblick nicht.

Thingvellir Nationalpark
Thingvellir Nationalpark

Wir fahren weiter bis zum großen Geysir, dem Namensgeber für dieses „Wasserfontänenphänomen“. Das Gebiet ist gut begehbar (ich glaube sogar barrierefrei) und Seilführungen verhindern, dass man den Weg verlässt. Überall dampft und stinkt es, eine spannende Gegend.

Geothermalgebiet

Wir laufen zum Strokkur, dem kleinen Bruder des Geysirs. Es ist nämlich so, dass der große Geysir nur noch sehr unregelmäßig ausbricht, mittlerweile nur noch alle paar Jahre. Der kleine Strokkur ist hingegen sehr zuverlässig und sprüht ca. all 10 min. eine Fontäne in die Luft.

Wir warten gespannt bis er ausbricht, es dauert gefühlt ewig. Ich beobachte einen Mann, der mit dem Rücken zum Geysir steht und ein Selfie-Video macht. Sachen gibts… Und endlich bricht er aus! Eine kleine 3-Meter-Fontäne schießt nach oben und stürzt in sich zusammen. Der Selfie-Mann packt sein Handy ein und geht. Ich schiele zu Michi. Das wars jetzt? Dafür ist der Geysir so berühmt? Wegen so einem kleinen Spucker? Gerade will ich ansetzen etwas zu sagen, da explodiert der Geysir auf einmal wieder. Ewig hoch schießt das Wasser in die Luft, bestimmt 30 min! Woah! Wir sind ganz aufgeregt, hatten blöderweise grade unsere Kameras nicht parat. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als noch eine Fontäne abzuwarten.

Ein gif vom Ausbruch des Strokkur. Am besten erst mal laden lassen, damit es flüssig abgespielt wird.

Letztendlich können wir von den Ausbrüchen nicht genug bekommen und beobachten ca. eine Stunde das blaue Wasserloch, fotografieren und filmen den Ausbruch immer wieder. Es ist gar nicht so leicht, alles aufs Bild zu bekommen, vor allem da wir kein Stativ mitgenommen haben.

Wir erkunden noch etwas die Gegend. Es sind schon einige Menschen unterwegs, man bemerkt sie aber gar nicht so richtig weil man eh abgelenkt ist. Wir warten auch ein paar Minuten, ob der große Geysir vielleicht nicht doch gerade heute ausbricht, und machen uns dann auf den Rückweg zum Auto.

Ein heißes Wasserloch
Die Isländer haben einen guten Humor 😉

Unsere nächste Station ist der Gullfoss, einer der mächtigsten Wasserfälle Europas. Um es kurz zu machen: wir waren zwar eine ganze Weile da, fanden es aber beide nicht sonderlich berauschend (langeweilig wäre jetzt etwas zu hart). Wir sind einfach nicht so die Wasserfall Fans…

Also probieren wir einfach nur ein bisschen mit Langzeitbelichtungen rum und fahren weiter. Zum Abschluss wird uns noch ein wunderschöner Sonnenuntergang beschert!

Sonnenuntergang beim Gullfoss

In der Nacht versuche ich nochmal das Nordlicht zu erhaschen, sehe aber „nur“, wie die Beleuchtung der Gewächshäuser den Himmel entzünden… Ein fantastische Stimmung.

Im Hintergrund leuchten die Gewächshäuser…
…und nachts könnte man meinen, der Himmel brennt

Tag 13 – Gjáin und Haífoss

Heute ist Wasserfall-Tag. Wir fahren über immer kleiner werdende Straßen zum Abzweig einer Piste zu dem Gebiet Gjáin. Da man dort nur mit Geländewagen fahren kann, stellen wir unser Auto ab und spazieren ca 1h durch wüstenartige Dünenlandschaft die Piste entlang. Links ist die Hekla, das erklärt die viele Lava und die wenige Vegetation. Das Wetter wird besser und wir kriegen Sonne. „Hier soll irgendwo Wasser sein??“ Denken wir uns.

Dann kommt unverhofft ein grünes Tal, wie eine wunderschöne Oase mit Wasserfällen. Wir bleiben für die Mittagspause, hier sind nur ein paar Leute unterwegs, es ist echt schön.

So viele Wasserfälle…

Wir laufen wieder zurück und fahren die abenteurliche Straße bis zum Haífoss. Die zwei Wasserfälle sind sehr schön und beeindruckend. Wir kochen Abendessen, machen eine lange Fotosession und beschließen danach, dass wir Langzeitbelichtung von Wasserfällen einfach langweilig finden.

Háifoss
Haífoss 1
Haífoss
Haífoss 4
Haífoss 7.1
Ausblick ins Tal
mystisch…

13. Tag, 25.08. –Wasserfalltag (Haífoss, Seljalandsfoss, Skogafoss)

Wir lassen uns Zeit, ein richtig gemütlicher Urlaubsmorgen. Eine Frau sagt uns, dass hier in der Gegend ab 4:00 Uhr Regen angesagt ist. Wir fahren los, die Schotterpiste unter der Stromtrasse zurück. In der Landschaft liegen lauter riesige Maulwurfshügel 😉 .

Bald dämmert uns, dass wir dem Regen entgegenfahren.

Nächster Stopp ist der Seljalandsfoss. Tolles Erlebnis! Da es regnet und gefühlte 2.000 Menschen unterwegs sind, schauen wir uns den Wasserfall erst mal mit Brotzeit vom Auto aus an 😉 .

Danach gehts zum Skogafoss. Auch hier kann man den Wasserfall hervorragend während eines kleinen Snacks aus dem trockenen Auto heraus beobachten… 😀

Skogafoss
Skogafoss

Von der weiteren Strecke sieht man leider nichts, alles ist dick im Nebel. Wir streichen also den schwarzen Sandstrand bei Vík und beschließen, heute nach Kirkjubaerjarklaustur zu fahren, um möglichst nah am Gletschersee zu sein, zu dem ich unbedingt hin will.

In Vík schauen wir kurz in den Outlet von Icelandwear (oder wie der Outdoorladen dort heißt), aber leider sind alle Regenjacken immer noch recht teuer. Jetzt könnten wir langsam mal welche gebrauchen.
Ich mache aus Trotz ein Foto von der bekannten Kirche und mit dem Raw Converter kann man tatsächlich noch ein ansehnliches Foto draus machen 😀

Vik

Es ist alles Nebel und Regen.
Links und rechts: Wüste, Lava, Moos, Weiden, Fluss, Sanderfläche, Lava, Moos, Lava, Sanderfläche, Lava. Ich bin mir mittlerweile sicher, ganz Island besteht nur aus Lava. Die Straße geht nur gradeaus mit Tempo 90. Michi fährt gnädigerweise, obwohl er die Fahrt recht anstrengend findet. Ich träume in der Nebellandschaft vor mich hin.

14. Tag, 26.08. – Jökulsárlón

Regen.

Fahrt zum Jökulsárlón. Ganz kurzes Sonnenloch auf der Fahrt bei einer Gletscherzunge. Wow! So habe ich mir Island vom Wetter her eigentlich vorgestellt 😉 .

Gletscherfluss
Iceland Glacier

Der Jökulsárlón und der schwarze Sandstrand ist sehr toll! Wir sehen sogar Robben!! Leider gibt es auch ziemlich viel Nebel und Regen, so dass wir bald wieder völlig durchnässt sind. Insgesamt gefällt es mir sogar so gut, dass ich unbedingt nochmal herkommen will. Normalerweise zieht es mich nicht zu den selben Orten, doch wenn ich wieder nach Island reise, muss ich diesem See bei gutem Wetter einen Besuch abstatten!

Wir bleiben wegen Regen nur kurz und fahren total nass zum Fjallsárlón ins Restaurant zum trocknen und Kaffee trinken. Ich gehe noch allein zum See, Michi hat genug (und immer noch keine Regenjacke). Man sieht nur ein paar Eisbrocken im Wasser schwimmen, der Rest verschwindet im Nebel. Dann höre ich aus dem weißen Nichts ein lautes Grollen und Rumpeln. Es klingt total imposant und mächtig, wie das Eis außer Sichtweite abbricht.
Nach ca 20 min wird die Sicht kaum merklich besser. Es sieht total toll aus, sehr mystisch wie sich die Landschaft langsam immer stärker herausschält. Zuerst kann man nur wenig erahnen, dann kommt immer mehr zum Vorschein. Mir gegenüber ist eine große breite Gletscherzunge die im See endet. Von links schwingt sich eine zweite Gletscherzunge elegant zum See. Wie schön das ist! Was mir bisher verborgen war!

Auf dem Rückweg machen wir noch Halt bei einer weiteren Gletscherzunge, die in einem schlammig-braunen Gletschersee mündet und wärmen uns Abends im Schwimmbad (40° Becken!) von Kirkjubaejarklaustur auf. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Baby it's cold outside
Jökulsárlón
Kristallklar
Soooo süß! 🙂

15. Tag, 27.08. – Pferdereiten und Rückfahrt nach Reykjavik

Ich rede die letzten Tage hauptsächlich von Isländern (Pferde) und ob ich jetzt einen Ritt buchen soll oder nicht (Ich bin in meiner Jugend auf einem Isländerhof geritten), aber schließlich denke ich mir „man gönnt sich ja sonst nichts“ und buche einen 2h Ritt für ca. 90€. Was mir auch zu schaffen macht ist dass es diesen Pferden ja oft nicht sonderlich gut geht, aber der Hof sieht ordentlich aus. Die Pferde sind zumeist draußen auf den riesengroßen Weiden.

Ich habe beim Pferdestall Skálakot gebucht und kann ihn wirklich empfehlen. Ich habe Glück und bin die Einzige, die um diese Uhrzeit eine Tour will, also bin ich mit der Führerin nur zu zweit! Das Mädchen aus Deutschland ist nach der Schule für 3 Monate hier auf dem Hof.

Während ich unterwegs bin setzt sich Michi ins Restaurant zu Kaffee & Kuchen, ich bestelle mir nach der Tour das gleich – blöderweise ohne auf den Presi zu schauen. Danach merken wir, dass die zwei Stück 35!! € kosten. Uff. Wir streichen das geplante Essen im Restaurant heute Abend.

Nach dem Kuchenschock geht es zurück nach Reykjavik, mir tut mein Hintern ziemlich weh vom Reiten. Wusste gar nicht mehr, dass es im Sattel so unbequem wird. Danach steht noch bummeln an. Wir gönnen uns sogar zwei Bier 🙂 .

Es folgt eine unglaublich anstrengende und ungemütliche Nacht auf dem Flughafen. Mir schießt beim betreten zuerst „Wie in einem Obdachlosenheim“ durch den Kopf, sorry für den Vergleich… Ich hab schon die ein oder andere Nacht auf einem Flughafen verbracht, aber in Reykjavik würde ich das nächste Mal auf jeden Fall ein Zimmer irgendwo buchen!

Fazit

Wir waren am Ende ziemlich fertig und gestresst von der Autoreise. Anfangs wussten wir nicht so recht warum, schön war es ja schon. Aber wir haben vermutlich das Ganze falsch aufgezogen und wollten zu viel und zu weit. Es wäre viel sinnvoller gewesen, zuerst mit dem Auto rumzufahren (dann kann man auch ganz entspannt die fehlende Ausrüstung besorgen) und anschließend zu wandern. Wir waren von der Trekkingtour so voll mit Erlebnissen und Landschaften und haben uns danach in das menschenüberfüllte, touristisch ausgebaute Island geworden, so dass wir gar nicht alles verarbeiten konnten. Und wir hatten einfach auch nach der tollen Wanderung keine Lust auf Menschen, die ausgebaute Wasserfälle oder Eisschollen anstarren und fotografieren.
Also nächstes Mal lassen wir die Touri-Hotspots aus (die sehen auf Fotos eh meist schöner aus als in echt), planen weniger „Attraktionen“ und mehr Wanderungen ein und machen so eine Rundreise vor dem richtigen Outdoorurlaub.

Natürlich hat der dreitägige, ununterbrochene Regen auch ganz schön dazu beigetragen, dass wir uns (ohne richtigen Regenschutz) eingesperrt gefühlt haben. Es wäre viel besser gewesen, spontan darauf zu reagieren (bzw überhaupt mal den Wetterbericht anzusehen), als stumpfsinnig das geplante Programm durchzuziehen.
Aber wettertechnisch war es natürlich schon besser, in der Sonne zu wandern 😀

Insgesamt war es aber superfantastisch und vor allem ich will wieder hin! 🙂

Warst du auch schon einmal in Island? Was hast du so unternommen und angeschaut und wie hat es dir gefallen?

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