Island,  Trekking

Trekking in Island – Teil 2: Langisjór und Eldgjá Trail

Dies ist der zweite Teil unserer neuntägigen Trekkingtour durch Island. Wir verbringen einen abentuerlichen Tag am wunderschönen See Langisjór und wandern dann zweit Tage den Eldgjá Trail bis knapp vor die Hütte Hólaskjól.

3. Tag, 15.08. (Pausentag) – Tageswanderung zum Langisjór

Wir frühstücken gemütlich, sortieren unsere Sachen und lassen es nach den gestrigen Strapazen einfach schön ruhig angehen. Die Landschaft um die Hütte herum ist heute noch 1000 Mal schöner als gestern. Da waren wir aber auch nicht mehr so aufnahmefähig… 😉

Iceland Skaftá
Iceland

Martin fragt, ob wir heute zusammen zum Langisjór wollen. Wir zögern erst kurz da wir im Urlaub gern unter uns sind, stimmen dann aber zu. Zumindest zum See wollen wir zusammen gehen, dann sehen wir weiter. Eigentlich wollte ich auf den Sveinstindur, der hüllt sich aber in Wolken.

Skafta River
Skaftá
Vatnajökull
Sicht auf den Vatnajökull

Es dauert ca 2h bis wir endlich am See sind, länger als erwartet. Die erste Stunde nieselt es nur und Michi ist schon wieder am ganzen Oberkörper nass. Er überlegt niedergeschlagen umzukehren, will es aber noch 10 min probieren und dann hört zum Glück der Regen auf und die Sonne kommt raus.

Hier überlegen wir ernsthaft, unsere Tour abzubrechen. Das Wetter ist ja unberechenbar und ohne Regenklamotten wäre es grob fahrlässig, weiterzugehen. Ich habe schon einen Plan im Kopf wie wir nach Vík kommen um neue Regenjacken zu kaufen und anschießend zumindest noch den Laugavegur laufen könnten. Aber dann haben wir eine bessere Idee: Wir funktionieren eine unserer Plastiktüten zu einem Regencape/Poncho mit Kopfloch um, den Michi sich bei Regen über die Schultern hängen kann. Damit würde er einigermaßen trocken bleiben und wir würden die Tage bis zur jeweiligen nächsten Abbruchmöglicheit (2 Tage Eldgjá Trail, 3 Tage Strútstigur) gut überbrücken können. Wir beschließen, ab jetzt bei Regen konsequent im Zelt zu bleiben. Einen Puffertag haben wir ja eingeplant. Wir sind beide froh, unsere Route erstmal wie geplant weitergehen zu können.

Zurück zum Langisjór: Er ist ein Highlight auf der Tour und ich habe extra hier einen Pausentag eingeplant, damit wir ihn erkunden und ganz viele Fotos machen können. Klar, dass ich mich den ganzen Weg unheimlich darauf freue und schon viel fotografiere (Das Skaftatal ist eh der Wahnsinn!).

First look at Langisjór
Endlich kommt der See in Sicht…

Ich bin total verzückt, es sieht so schön aus. Ich leihe mir von Michi sein Teleobjektiv und hole den Gletscher ganz nah ran. Und dann schwarzer Bildschirm: Der Akku ist ohne Vorwarnung leer. Ich könnte heulen, ich habe natürlich keinen Ersatzakku mitgenommen!
Ich überlege kurz ob ich umkehre, aber es ist schon halb 4 und ich will nicht allein zurück und dann den ganzen Weg wieder zum See laufen. Also weiter, die Landschaft muss ich dann eben mit den Augen festhalten.

Wir umrunden einen kleinen Seitensee. Man hat eine fantastische Aussicht. Ich bin vor allem von dem Blick auf die Skafta beeindruckt. Absolut überwältigend, sowas hab ich noch nie gesehen. Ich kitzele noch ein Fotos aus meiner Kamera heraus.

The most beautiful River in the World

Irgendwann kommt die Sonne wieder raus und da wir direkt am Wasser stehen, beschließen wir zu baden. Oh Gott!!! Es ist so unglaublich kalt!! Ich schreie und jaule und versuche mich kurz abzuschrubben, es klappt nur so einigermaßen, es ist einfach viel zu kalt. Ich muss schnellstmöglich wieder raus. Wenigstens ist es da jetzt erstmal schön warm. Das tat gut! Wir fühlen uns erfrischt und glücklich.
Mirjam geht gleich drei mal baden, zuerst alleine zur Erkundung und zum Überreden von uns drein, dann mit Michi und mir und dann nochmal mit Martin. Harte Sau! Ich bin tief beeindruckt. Und das alle ohne einen kleinsten Kältejauler.

Nachdem wir auf den Hang hinter uns gestiegen sind, entlocke bei der wunderbaren Aussicht meiner Kamera drei weitere Fotos. Das Licht ist perfekt. Ein wirklich magischer Moment.

Sunset with Vatnajökull
Langisjór Island
Langisjór

Auf dem Rückweg zur Sveinstindur Hütte verlaufen wir uns dummerweise, weil wir einem Schafspfad folgen der in einer Steilklippe endet. Wir kommen gerade noch rechtzeitig an, bevor es stockdunkel ist. Keiner von uns hatte eine Stirnlampe dabei, den Fehler werden wir sicher nicht noch mal machen.

Skaftá

Wir waren heute dann doch 8 Stunden unterwegs und sind wieder mal sehr erschöpft – eigentlich sollte das heute ein entspannter Pausentag werden. Doch Miri beschreibt es ganz treffend: „Ich brauche Pause vom Pausentag“.

4. Tag, 16.08. – bis kurz vor die Skælingar Hütte

Wir schlafen wieder aus. Schließlich schäle ich mich aus dem Schlafsack und stehe auf, beinahe falle ich gleich wieder hin. Meine Fußsohlen tun abartig weh. Ich humpel zu unseren Schuhen, sie sind erstaunlicherweise fast trocken. Ich schlüpfe rein und gehe zum Klo, durch den Halt der festen Sohle lässt der Schmerz langsam nach. Immerhin, es scheint die Sonne.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von M&M und hoffen, dass wir sie vielleicht in Landmannalaugar wieder sehen werden, wenn sie dort einen Tag Pause machen. Mirjam schenkt uns zum Abschied ein bisschen von ihrem Zeitungspapier für unsere Schuhe. Die beiden haben echt alles dabei!

Anfangs geht es die Piste auf dem gleichen Weg entlang, den wir vor zwei Tagen gekommen sind. Heute scheint aber die Sonne, es sieht viel freundlicher aus. Der Weg führt abwechselnd über wirklich sehr grünes Moos oder über sandige Lavawüsten. Und obwohl wir unglaublich glücklich über die Sonne sind: Die Farben waren bei dem Regenwetter schon um einiges brillianter und schöner…

Wüstenblume

Der Weg verläuft immer mal wieder durch Sand & Steinflächen und ist dann nicht so leicht zu finden, bzw verschwindet er dann ganz. Wir sind stets auf der Suche nach den Fußspuren von M&M und finden sie auch immer wieder. Es ist irgendwie schön, ihnen 2 Tage später quasi entgegen zu laufen.

Die Generelle Richtungsfindung ist im übrigen aber ziemlich einfach, weil es immer rechts der Skaftá entlang geht und man außerdem unser Zwischenziel, den Uxatindar, schon von weitem sieht:

Uxatindar

Schließlich erreichen wir die Schlucht Hvanngil. Es geht mal wieder über schwarzen Sand, die Spuren verlaufen sich im Nichts.

Hvanngil

Unten furten wir die Hellnaá mehrmals, die in einigen Armen durch die Schlucht läuft. Hier unten entdecken wir doch tatsächlich Holzpflöcke! Ab jetzt ist der Weg also markiert und er wird uns auch zuverlässig bis zum Eingang in die Eldgja Schlucht den Weg weisen.

Hvanngil

Schon bald überblicken wir den See vor der Uxatindar Schlucht. Der Uxatindar Gipfel war ja schon den ganzen Tag imposant im Blick.

Uxatindar

Da die Sonne scheint und es so schön ist, beschließen wir zu baden. Das tut gut! Das Wasser ist viiiieel wärmer als der Langisjór, aber immer noch sehr kalt. Anschließend machen wir Mittagspause auf einem großen Stein mit tollem Blick in alle Richtungen. Der Himmel zieht zu und jetzt wird es ziemlich kalt…

Wir umrunden den See und laufen in die Schlucht neben dem Uxatindar. Anfangs ist sie noch breit und grün, bald jedoch ragen links & rechts steile schwarze (Lava?) Hänge auf. Es ist total schön und beeindruckend.

Man muss dauernd über den Bach hüpfen, weil eine Seite unpassierbar ist. Langsam wird die Schlucht oben breiter, unten läuft sie spitz zu und es bleibt schmal. Als der Bach nach rechts läuft, der Weg aber nach links, füllen wir unsere Flaschen mit 5l Wasser, falls wir es heute nicht mehr bis nach Skaelingar und zum nächsten Fluss schaffen.

Nach der Schlucht geht es weiter bergauf, bald wieder über schwarze Sandhügel. In der Ferne sieht man immer noch den Vatnjakökull.

Vatnjajökull
Break with great view

Schon bald bauen wir auf einer Anhöhe unser Zelt auf und kochen das Abendessen. Es gibt Chicken Fajita von Summit to eat, das ist sensationell lecker! Mit Mais und Bohnen! Wir verkriechen uns gleich nach dem Essen in die Schlafsäcke, es wird schön warm und der Ausblick auf die roten Wolken und die Berge bei Sonnenuntergang ist fantastisch!

Insgesamt waren wir 9 Stunden unterwegs.

Camp 4
Zeltaussicht

5. Tag, 17.08. – bis kurz vor die Hólaskjol Hütte

Um 8 schau ich kurz raus, es sieht so schön aus! Orangene Wolken über dem Skaftá Tal. Wir dösen noch, dann gibt es Frühstück und wir packen zusammen. Es ist ziemlich windig, aber wir stehen auch mitten auf dem Berg in exponierter Lage. Das Zelt steht trotzdem gut und ist wirklich super schnell abgebaut. Und das schöne ist, es ist wieder richtig sonnig –wir werden auch die restliche Zeit bis Landmannalaugar Glück haben und keinen einzigen Regentropfen mehr sehen (auch wenn wir stetig Angst davor haben… )

Der Ausblick von hier oben ist aber sehr schön, man sieht die Laki-Krater (durchs Teleobjektiv).

Laki Krater

Wir starten um 10:00 Uhr und brauchen ca 45 min zur Skælingar-Hütte, wo wir erst mal trinken und waschen. Die Hütte liegt wirklich schön am Fluß, zwischen den hohen Lavatürmen und viel Puschelblumen.

Skælingar Hut

Es geht gut bergauf, erst auf der Piste, dann wieder „querfeldein“ den Markierungen hinterher. Die Sicht wird aber immer besser. In der Ferne, ganz klein, kann man die Reihe der Lakikrater sehen.

Immer wieder blicken wir zuürck. Links sieht man den Vatnajökull, rechts erkennt man einen anderen Gletscher, ich vermute den Torfajökull. Es ist wunderschön. Und echt krass windig. Zum Glück kommt er von der Seite und nicht von vorn. Deswegen suchen wir uns für die Mittagspause ein windgeschütztes, ausgetrocknetes Bachbett. Die Rucksäcke funktionieren auch sehr gut aus Windschutz und mit der Sonne ist es dann richtig gemütlich.

Mittagspause im Windschatten des Flussbettes
Alles winddicht verpackt 🙂

Oben sind wir wieder in schwarzen Sanddünen, es geht auf einen Kamm und dann – WOW!!! Der Blick auf die Eldgjá ist unglaublich. Es ist wirklich sehr schön und beeindruckend. Und extrem windig, man kann kaum Fotos machen. Deswegen gehen wir leider schon bald weiter.

Eldgjá Spalte

Ein kleiner Mensch fürs Verhältnis… 😉

Anfangs geht es auf schwarzen Sand und Lavabrocken auf der Klippe entlang, später auch ein kurzes Stück auf einer Piste, es wird immer windiger. Es bläst einen fast um, wir haben Schwierigkeiten gerade zu gehen. Ich habe ein bisschen Angst davor, über den Rand geweht zu werden…

Hier mal ein Größenvergleich, der Boden nah herangezoomt mit Ameisen-Menschen:

Ameisenmenschen am Boden der Eldgjá Spalte

Beim fotografieren wackelt die Kamera immer stark im Wind und auf Höhe des Wasserfalls sind wir ganz froh, in die Schlucht absteigen zu können. Ab jetzt geht es weiter in der Eldgjá Spalte. Nach dem Parkplatz verläuft der Weg neben der Nordari-Ófæra (Fluss), es ist wunderschön und idyllisch. Schon bald zweigt der Weg ab auf eine Piste,  zuerst laufen wir durch Lavatürmchen, dann wird es flach und langweilig. Doch schon bald geht es über einen Hügel und das nächste Tal ist wunderschön, die Skaftá schlängelt sich mit vielen Armen entlang. Ich mag sie wirklich richtig gern. Auf der Suche nach der Hütte laufen wir etwas ziellos Richtung Piste und Skaftá und entdecken einen wunderschönen Einschnitt mit einem kleinen Bach ganz unten, der von der Abendsonne beschienen wird.

Hier bleiben wir! Dort unten ist es auch nicht so windig. Schnell steht das Zelt, Michi kocht (an einem sicheren Ort wo nichts anbrennen kann), ich räume das Zelt ein, fotografiere, spanne nach, mache alles Windfest.

Wir hören oben den Wind wehen und fauchen, es klingt ziemlich krass. Hier unten rüttelt er auch ganz schön an unserem Zelt. Man weiß immer wenn die starken Böen kommen, weil es dann oben erst mal besonders laut faucht bevor der Wind unten ankommt.

Insgesamt waren wir heute 11 Stunden unterwegs.

Near Skafta River
Camp 5

Der Eldgjá Trail ist hier zu Ende und ab morgen werden wir auf dem Struttstigur in Richtung Laugavegur unterwegs sein.

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